Neue WIP-Studie: Viele Menschen erkennen die Bedeutung von Vorsorge, handeln aber nicht entsprechend
Die Menschen in Deutschland werden älter. Damit steigen die Anforderungen an die individuelle Vorsorge in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und rechtlich-organisatorische Absicherung. Eine neue Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP), die gemeinsam mit der Versicherungskammer Bayern (VKB) durchgeführt wurde, zeigt jedoch: Viele Menschen erkennen zwar die Bedeutung von Vorsorge, setzen wichtige Maßnahmen aber nicht konsequent um. Grundlage der Untersuchung ist eine repräsentative Befragung von 3.000 Personen in Deutschland.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die steigende Lebenserwartung die Anforderungen an die Eigenvorsorge erhöht. Gleichzeitig bestehen in vielen Bereichen erhebliche Unterschiede zwischen dem Bewusstsein für Vorsorge und dem tatsächlichen Verhalten.
Langes Leben wird mit Chancen und Risiken verbunden
Die Aussicht, 100 Jahre alt zu werden, wird von vielen Menschen ambivalent bewertet. 38 Prozent der Befragten bewerten diese Vorstellung positiv, 32 Prozent eher negativ. Ein langes Leben wird häufig mit mehr Zeit für Familie, Freunde und persönliche Erfahrungen verbunden. Gleichzeitig bestehen erhebliche Sorgen vor Krankheit, Pflegebedürftigkeit, finanzieller Unsicherheit und sozialer Isolation im Alter. Besonders ausgeprägt sind die Sorgen um Gesundheit und Selbstständigkeit im Alter. Rund drei Viertel der Befragten äußern entsprechende Bedenken. Auch die finanzielle Absicherung im Alter wird von vielen als Herausforderung wahrgenommen.
Gesundheitliche Vorsorge hat höchste Priorität
Gesundheitliche Vorsorge genießt in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Rund 80 Prozent der Befragten halten regelmäßige Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen für geeignete Maßnahmen, um Risiken im Alter vorzubeugen. Gleichzeitig zeigt die Befragung eine große Spannweite im tatsächlichen Vorsorgeverhalten. Zehn Prozent der Befragten geben an, keinerlei körperlicher Aktivität nachzugehen. Weitere 20 Prozent bewegen sich weniger als eine Stunde pro Woche. Demgegenüber sind rund 20 Prozent mehr als vier Stunden pro Woche sportlich aktiv. Auch bei anderen gesundheitsbezogenen Vorsorgemaßnahmen zeigen sich deutliche Umsetzungslücken, insbesondere bei der Stressbewältigung und einem ausreichenden Schlaf.
Erhebliche Umsetzungslücken bei finanzieller und rechtlicher Vorsorge
Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen Vorsorgebewusstsein und tatsächlichem Handeln bei der finanziellen und rechtlich-organisatorischen Vorsorge. Zusätzliche finanzielle Risikoabsicherung, die Vorbereitung auf altersgerechtes Wohnen sowie Vorsorgevollmachten und Nachlassregelungen werden häufig als sinnvoll angesehen, aber deutlich seltener umgesetzt.
Im Durchschnitt investieren die Befragten rund 184 Euro pro Monat in ihre finanzielle Vorsorge. Gleichzeitig betreibt fast jeder Fünfte nach eigener Aussage keinerlei finanzielle Vorsorge.
Digitale Gesundheitsangebote noch wenig verbreitet
Digitale Gesundheitstechnologien werden bislang nur von einer Minderheit regelmäßig genutzt. Die größte Verbreitung weisen Gesundheits-Apps und Wearables auf, die von 28 Prozent der Befragten regelmäßig verwendet werden. Das Potenzial digitaler Technologien für Prävention und Gesundheitsmanagement wird damit bislang nur teilweise ausgeschöpft.
Vorsorge ist eine Frage des persönlichen Blicks auf das Leben
Entscheidend für das Vorsorgeverhalten sind die persönliche Bedeutung, die Menschen dem Thema Vorsorge beimessen, sowie eine positive und zukunftsorientierte Haltung zum eigenen Älterwerden. Wer dem Älterwerden mit einer positiven Zukunftseinstellung begegnet, setzt Vorsorgemaßnahmen häufiger um, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Einkommen.
Gesundheits- und Finanzkompetenz gewinnt an Bedeutung
Die Studienergebnisse legen nahe, dass die Gesellschaft auf die Herausforderungen einer steigenden Lebenserwartung noch nicht ausreichend vorbereitet ist. Gesundheits- und Finanzkompetenzen sind wichtige Voraussetzungen für wirksame Eigenvorsorge und sollten deshalb über alle Lebensphasen hinweg stärker gefördert werden. Konsistente politische Signale zur Rolle der Eigenverantwortung und das Vertrauen in die eigene Gestaltungsfähigkeit können dazu beitragen, Vorsorgeverhalten zu stärken.
Link zur WIP-Analyse: Langlebigkeit und Vorsorge - Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung in Deutschland
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