WIP-Pressemitteilung: Gesundheitspolitisches Instrument mit Grenzen: Was Zuckersteuern leisten können – und was nicht

27.01.2026

Der Zuckerkonsum in Deutschland liegt deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Vor diesem Hintergrund wird seit Jahren über die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke diskutiert, um den Konsum zu senken und langfristig zur Prävention chronischer Erkrankungen beizutragen. Eine neue Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) ordnet die internationale Studienlage zu den gesundheitlichen Wirkungen von Zuckersteuern ein. Weltweit haben inzwischen mehr als 100 Länder entsprechende Steuern eingeführt, überwiegend in Form einer sogenannten „Softdrinksteuer“, die ausschließlich zuckerhaltige Getränke erfasst.

Die Evidenz zu den gesundheitlichen Effekten fällt uneinheitlich aus. Simulationsstudien – darunter mehrere für Deutschland – prognostizieren teils erhebliche langfristige Verbesserungen, etwa geringere Prävalenzen von Adipositas, Typ-2-Diabetes und Karies sowie Einsparungen bei Gesundheitskosten. Beobachtungsstudien aus Ländern mit bereits eingeführter Zuckersteuer zeichnen hingegen ein heterogenes Bild: Während einige Untersuchungen messbare Verbesserungen feststellen, finden andere keine oder nur geringe Effekte, insbesondere bei Erwachsenen. Relativ konsistent zeigen sich positive Effekte bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Steuerdesigns, die Anreize zur Reformulierung durch die Hersteller setzen, etwa durch gestaffelte Steuersätze nach Zuckergehalt. Zudem deuten mehrere Studien darauf hin, dass gesundheitliche Gewinne in sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen teilweise höher ausfallen können. Gleichzeitig gelten Zuckersteuern als potenziell regressiv, da Haushalte mit niedrigerem Einkommen relativ stärker belastet werden.

Aus ordnungspolitischer Sicht betont das WIP, dass eine Zuckersteuer einen Eingriff in individuelle Konsumentscheidungen darstellt und ihre Rechtfertigung davon abhängt, ob sie gegenüber alternativen Maßnahmen wie Aufklärung, Kennzeichnung oder freiwilligen Selbstverpflichtungen der Industrie einen nachweisbaren Nutzen entfaltet. Es spricht vieles dafür, dass gesundheitliche Effekte nur im Zusammenspiel eines Bündels unterschiedlicher Präventionsmaßnahmen zu erwarten sind.

Link zur WIP-Studie: Auswirkungen einer Zuckersteuer - ein Literaturübersicht

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