WIP - Wissenschafftliches Institut der PKV
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Bildungsniveau und Zugang zu Gesundheitsleistungen

Die Autoren dieser Studie stellen die These auf, dass die Ungleichheit bei der Facharztnutzung zwischen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem Bildungsniveau umso geringer ist, je stärker der Zugang zur Gesundheitsversorgung reguliert wird.

Der Studie liegt die Annahme zugrunde, dass Patienten in hoch entwickelten Gesundheitssystemen über umfassende Informationen verfügen müssen, um Gesundheitsleistungen kompetent in Anspruch nehmen zu können. Somit hätten Patienten mit einem höheren Bildungsniveau und einem besseren Zugang zu Informationen Vorteile bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Es wird jedoch vermutet, dass die Vorteile eines höheren Bildungsniveaus je nach strukturellem Ausbau des Gesundheitssystems variieren. Hierfür sei die Zugangsregulierung zu einer fachärztlichen Behandlung über Hausarztsysteme von zentraler Bedeutung.

Zur Überprüfung der These wurde der SHARE-Datensatz (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe) der ersten Welle verwendet, der Daten zu über 50-jährigen Personen für 11 europäische Länder enthält. Daraus ergibt sich eine Gesamtstichprobe von rund 27.000 Personen. Auf Basis dieses Datensatzes analysieren die Autoren, inwiefern Bildungsunterschiede die Nutzung fachärztlicher Versorgung beeinflussen. Anschließend wird dieser Zusammenhang mit dem möglichen Einfluss institutioneller Merkmale in den ausgewählten Ländern verknüpft.

Das Ergebnis der Studie deutet darauf hin, dass vor allem in schwach regulierten Gesundheitssystemen höhere Bildungsgruppen von ihrem Informationsvorsprung profitieren, da sie den Facharzt häufiger aufsuchen als niedrigere Bildungsgruppen. Die Bildungsungleichheit in der Facharztnutzung verringert sich, je stärker der Zugang zu Fachärzten über ein Hausarztsystem reguliert wird. Einschränkend ist zu bemerken, dass die Autoren nicht für alle einbezogenen Länder die Muster der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen mit den jeweiligen institutionellen Einflussfaktoren erklären können, sodass die Hypothese nicht vollständig bestätigt werden kann.

Quelle: Reibling, N./Wendt, C. (2010): Bildungsniveau und Zugang zu Gesundheitsleistungen - Eine vergleichende Analyse von Zugangsregulierung und Inanspruchnahme fachärtlicher Leistungen in Europa. In: Gesundheitswesen 2010; 72: 447-454

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